“Was mir  sehr positiv auffällt, ist die große Solidarität in der Kulturszene”

In unserer Interviewreihe FRAGWUERDIG begrüßen wir heute den CEO / Owner von REDFIELD Records Alexander Schröder! Wir haben mit ihm u.a. über die Auswirkungen und Chancen der Musikbranche in einer globalen Pandemie gesprochen, wie er mit seinem Unternehmen diese Krise übersteht und wie er die Zukunft der Branche einschätzt. Viel Spaß beim lesen!

 

Alex, hat sich deine tägliche Arbeit durch die Corona-Krise maßgeblich verändert? Wenn ja, wie unterscheidet sie sich von der „Normalität“?

Tatsächlich hat sie das auf den ersten Blick eigentlich nicht, auch wenn man – insbesondere zu Beginn – die Neuigkeiten auf den gängigen News-Seiten und Zeitungen mit wachen Augen betrachtet hatte. Gerade in den ersten Wochen habe ich sehr viel Zeit investiert, um mit Freunden, Partnern und im Netzwerk zu kommunizieren. Einerseits um zu erfahren, wie die Situation jeweils ist und andererseits um Hilfe anbieten zu können.

Wie hast du dich und dein Unternehmen für so eine Krisensituation gewappnet? Ist es überhaupt möglich, sich auf so etwas vorzubereiten?

Ich denke, auf eine solche weltweite Pandemie kann sich niemand vorbereitet haben, die Ausmaße sind nicht nur erheblich, sondern greifen ja wirklich tief.

Generell versuchen wir immer auf vielen Standbeinen zu stehen, uns uns divers aufzustellen, ohne jedoch den Fokus zu verlieren. Das macht sicherlich ein Unternehmen stabil, zumal man aber auch sehen muss, dass wir seit 2001 aktiv sind, also über einen großen Backkatalog verfügen, der einen in solchen Situation stützen kann.

Fühlt ihr euch durch diese außergewöhnliche Situation kreativ eingeschränkt? Oder darüber hinaus, finanziell und existenziell bedroht?

Kreativ eingeschränkt fühlen wir uns keineswegs, dafür gibt es auch keinen Grund. Im Gegenteil! Ein Bruch im Alltag verbunden mit neuen Situationen und ggf. Strukturänderungen, sorgen immer wieder dafür, dass man sich mit Anpassungen und Weiterentwicklungen beschäftigen muss. Viele Digitalexperten äußern sich beispielsweise zur Corona-Krise mit der Ansicht, dass sich die Entwicklung der nächsten drei bis fünf Jahre radikal auf ein Jahr reduzieren wird.

Bedroht sehen wir uns aktuell nicht von der Krise. Wir nehmen die Herausforderung der neuen Situation an und versuchen weiter nach vorne zu schauen und gezielt Chancen zu suchen.

Die zeitliche Entwicklung der Pandemie und deren Auswirkungen auf Live-Events sind über die aktuellen Beschlüsse hinaus nicht absehbar. Ob geplante Konzerte, Festivals und Touren im Herbst stattfinden können, steht in den Sternen. Wie geht ihr damit um, nicht kurz- und mittelfristig planen zu können?

Kurz- und mittelfristig ist es in der Tat unmöglich Konzerte durchzuführen, aber trotzdem wollen wir nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern neue Möglichkeiten für uns und unsere Künstler erarbeiten. Keiner sitzt wirklich untätig herum, stattdessen beschäftigen sich alle mit der Anpassung ihrer ursprünglichen Pläne, entwickeln neue Konzepte, schreiben Songs, usw.

Wir versuchen hier unseren Künstler an der Seite zu stehen, Hilfestellung und Rat zu geben.

Dass diese Situation viele Schwierigkeiten, Herausforderungen und Unsicherheit mit sich bringt steht außer Frage. Hast du einen Weg gefunden, trotzdem einen Nutzen aus der Krise für dich und dein Unternehmen zu ziehen?

Einen wirklichen Nutzen aus der Corona-Krise kann ich nicht ziehen, außer der bereits erwähnten Notwendigkeit, die uns dazu zwingt, und noch stärker mit neuen Strukturen oder Innovationen auseinanderzusetzen, auch wenn dies bereits seit Jahren unsere Themen sind.

Gibt es Strategien, Vorgehen, Abläufe oder Prozesse, die bei euch durch die Krise momentan überdacht werden und anders ablaufen werden, wenn die „Normalität“ wieder einkehrt?

Tatsächlich kann ich das aktuell noch nicht richtig erkennen. Was ich mir aber vorstellen könnte, ist die Tatsache, dass z.B. Livestreams oder -konzerte zukünftig noch klarer zum Marketing- und Promotionmix dazugehören könnten. So spielt die Band dann vielleicht nicht nur die obligatorische Releaseshow im Live-Club, sondern auch zudem die Livestream-Releaseshow am nächsten Tag für alle Fans, die nicht anreisen konnten.

Du sprichst die Livestream-Konzerte an. Es gibt täglich hunderte davon auf Instagram, gleichzeitig explodieren Patreon- und Crowdfunding-Plattformen förmlich. Ist das die richtige, oder vielleicht sogar einzige Herangehensweise für Bands und Künstler, die Krise zu überstehen? Was können Musiker noch tun, um die Pandemie eventuell sogar für sich zu nutzen?

Grundsätzlich ist es ja schön zu sehen, dass alle Künstler und Kulturschaffende aktiv und kreativ bleiben, auch wenn die Krise für viele dieser Menschen mitunter Job- und Einkommensverlust bedeutet. Grundsätzlich geht es ja vor allem auch darum, ein Einkommen zu sichern, von demher ist das sicherlich ein guter Weg, um die Krise zu überstehen. Aber der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt.

Das sei aber auch noch gesagt: Was mir  sehr positiv auffällt, ist die große Solidarität in der Kulturszene.

Viele Touren, Konzerte und Festivals mussten aufgrund der jüngsten Beschlüsse sehr kurzfristig endgültig abgesagt werden. Eine „große“ Agentur kann das vielleicht eher verschmerzen, als kleine Agenturen und Start-Ups. Gibt es etwas, das diese tun können um sich finanziell zu stabilisieren? Oder sind die Big Player genau so bzw. noch stärker betroffen?

Das kann ich so pauschal gar nicht beantworten, dieser Frage gehe ich ja aber auch in unserem “Redfield Podcast” nach. Sicherlich hat eine kleinere Agentur vielleicht weniger Rücklagen, kann sich aber mit zwei bis drei Personen vielleicht noch irgendwie anderweitig über Wasser halten, während eine sehr große Firma auch sehr hohe Kosten auffangen muss. Hier ist dann spannend zu sehen, dass die jeweiligen Investoren bereits nachfinanzieren und zudem wird ja auch viel diskutiert, ob die großen Player nun kleinere Firmen günstig aufkaufen werden.

 

 

In den Medien ist derzeit oft die Rede von systemrelevanten Berufsgruppen. Damit sind Supermarktkassierer/innen, Pfleger/innen, Ärzte/innen, Postboten, etc. gemeint. Welchen Stellenwert rechnest du Musikern, (Festival-)Veranstaltern, Musikmanagern, Labels, etc. in diesem Kontext zu? Ist Unterhaltung systemrelevant?

Bleiben wir doch bitte realistisch. In einer echten Krise sind z.B. Ärzte, Pfleger, Feuerwehr und andere dieser Berufsgruppen im Gegensatz zur Unterhaltungsbranche absolut systemrelevant.

Wir würden uns freuen, wenn du zum Abschluss einen Ausblick wagen könntest: Was ist deine persönliche Einschätzung für die Branche bis zum Ende dieses Jahres? Werden im Herbst wieder Club-Konzerte stattfinden? Können wir sogar schon Ende dieses Jahres Festivals besuchen? Wann ist es endlich wieder soweit, dass Musikveranstaltungen wie gewohnt ausgetragen werden?

Meine persönliche Einschätzung und auch die von vielen in der Livebranche beteiligten Personen ist recht deutlich. Wir gehen alle davon aus, dass in diesem Jahr keine echten Konzertveranstaltungen mehr stattfinden, mal abseits von vielleicht so etwas wie mit Abstand bestuhlten Konzerten mit einer Kapazität von 50 Personen. Aber damit ist ja auch niemandem wirklich gedient, befürchte ich.

 

Abschließend möchten wir euch den REDFIELD-Podcast von Alexander Schröder “MACHER AUS DER MUSIKBRANCHE” empfehlen! Hier spricht er wöchentlich mit inspirierenden Machern und erfahrenen Experten aus der Musikbranche.

Diesen findet ihr auf https://redfield-records.com/pages/podcast

 

Hier gibt’s direkt die aktuelle Episode mit Julia Gudzent // Festivalbookerin bei Goodlive Artists

 

Vielen Dank an Alexander Schröder, dass er sich die Zeit für unser Interview genommen hat! 

 

Wenn euch der Artikel gefallen hat, schickt ihn gerne an Freunde und Interessierte und schaut euch auch unsere Services für Bands und Solo-Künstler an…

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